LETZTE ZEUGEN Gedenkveranstaltung
Am 9. November 2026 erinnert die Stiftung Bornplatzsynagoge an die Novemberpogrome von 1938 und an die Zerstörung jüdischen Lebens in Hamburg.
Unter dem Titel „LETZTE ZEUGEN“ widmen wir uns in diesem Jahr der Frage, wie Erinnerung weitergetragen werden kann, wenn immer weniger Menschen selbst von ihrer Geschichte erzählen können.
Auf dem Joseph-Carlebach-Platz sind in den letzten Jahren ganz besondere „LETZTE ZEUGEN“ aus dieser Zeit entdeckt worden: die Fundstücke der archäologischen Ausgrabungen der ehemaligen Bornplatzsynagoge. Fragmente, Scherben und Spuren des früheren Gebäudes erzählen von einem Ort, an dem jüdisches Leben über Jahrzehnte zu Hause war.
Zwei Plakate – zwei Stimmen der Erinnerung
Im Mittelpunkt unserer diesjährigen Bewerbung für die Gedenkveranstaltung mit Flyern und Plakaten stehen zwei Menschen, deren Geschichten wir sichtbar machen möchten: Dr. Otto Herbert Bauer und Lucille Eichengreen, geboren als Cecilie Landau.
Die Worte von Otto Herbert Bauer stammen aus der Zeit kurz vor seiner Deportation im Jahr 1942. Der Hamburger Rechtsanwalt wurde als Jude schrittweise entrechtet, verlor 1938 seine berufliche Existenz und wurde 1942 deportiert. Er starb im KZ Mauthausen.
Auch die Worte von Lucille Eichengreen erzählen und bezeugen die nationalsozialistische Verfolgung. Sie wurde am 25. Oktober 1941 im Alter von sechzehn Jahren ins Ghetto Lodz deportiert und später nach Auschwitz, Neuengamme und Bergen-Belsen verschleppt. Nach der Befreiung emigrierte sie in die USA, wo sie 2020 starb.
Ihre Fotografien haben wir symbolisch in Scherben der zerstörten Bornplatzsynagoge gesetzt. Die 2023 geborgenen Fundstücke werden so zu stummen, letzten Zeugen der Reichspogromnacht und des zerstörten jüdischen Lebens in Hamburg.
Ein besonderer Ehrengast: Uri Hirsch
Bei unserer diesjährigen Gedenkveranstaltung dürfen wir als besonderen Ehrengast den Zeitzeugen Uri Hirsch willkommen heißen.
Uri Hirsch wurde 1938 im Hamburger Grindelviertel geboren. Sein Vater David Hirsch war der letzte Kantor der Bornplatzsynagoge und ein enger Weggefährte des Oberrabbiners Joseph Carlebach. Heute lebt Uri Hirsch in Israel und setzt sich mit 88 Jahren weiterhin für Erinnerung und gegen Antisemitismus ein.
Mit Uri Hirsch ist ein Zeitzeuge bei uns, dessen eigene Lebensgeschichte eng mit dem jüdischen Hamburg und der Bornplatzsynagoge verbunden ist. Seine Anwesenheit verbindet die Erinnerung an das zerstörte jüdische Leben mit unserer Verantwortung in der Gegenwart und für die Zukunft.
Gedenken, Erinnern, Verantwortung übernehmen
Der 9. November steht für einen der dunkelsten Einschnitte in der Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden Synagogen zerstört, jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüstet und jüdische Menschen verfolgt, misshandelt und ermordet. Auch die Hamburger Bornplatzsynagoge wurde in dieser Nacht geschändet und wenige Monate später vollständig zerstört.
Heute, fast 90 Jahre später, wird die Zahl der Menschen, die diese Zeit selbst erlebt haben, immer kleiner. Ihre Stimmen und Geschichten sind ein kostbares Vermächtnis. Sie erzählen von Ausgrenzung und Verfolgung, von Verlust und Überleben – und davon, was es bedeutet, wenn eine Gesellschaft zulässt, dass Menschen aufgrund ihrer jüdischen Identität entrechtet und verfolgt werden.
Erinnerung endet nicht mit der letzten Zeitzeugin, dem letzten Zeitzeugen. Sie geht an uns über.
Wir laden Sie ein, diesen Abend mit uns zu begehen – im Gedenken an die Opfer, im Respekt vor den Überlebenden und in Verantwortung für die Zukunft. Mit Ansprachen, Musik, Erinnerungen und dem Gebet „El male rachamim“ wollen wir gemeinsam innehalten und der Opfer gedenken.
9. November 2026 | 18:00 Uhr
Joseph-Carlebach-Platz
ehemaliger Standort der Bornplatzsynagoge
Ansprachen · Musik · Erinnerungen · Gebet „El male rachamim“
Mitwirkende (alphabetisch) u.a.:
Andreas Dressel, Senator und Präses der Behörde für Finanzen und Bezirke
Peter Helling, Moderation
Uri Hirsch, Zeitzeuge und Sohn des letzten Kantors der Bornplatzsynagoge
Alexander Polinskiy, Komponist und Pianist
Daniel Sheffer, Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Bornplatzsynagoge
Philipp Stricharz, 1. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hamburg K.d.ö.R.
Prof. Rainer-Maria Weiss, Direktor Archäologisches Museum Hamburg & Stadtmuseum Harburg
Das Mitbringen von Kerzen ist willkommen und erwünscht.
Die Veranstaltung findet auch bei Regen statt.
Diese Veranstaltung wird gefördert von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, dem Bezirksamt Eimsbüttel, der Körber Stiftung, der Töpfer Stiftung und der Firma Nordlite.


